Der
Journalist Carlo Climati klärt in Italien über Esoterik und
Okkultismus auf -
Und hat damit einen wunden Punkt getroffen
Rom
(DT)
Erst vor zwei Wochen haben die italienischen Tageszeitungen von einer
achtzehnjährigen Italienerin berichtet, die im Toilettenraum ihrer Schule
Selbstmord begangen hatte. Untersuchungen ergaben, dass jenes Mädchen den
satanischen Rocksänger Marylin Manson anhimmelte.
Im
vergangenen Oktober hatten zwei Vierzehnjährige aus einem kleinen Ort in Süditalien
versucht, ihrer Freundin den Hals durchzuschneiden. Die beiden Jungen erklärten
daraufhin, auch sie seien von Marilyn Manson inspiriert gewesen. Wenige Tage
danach profanierten zwei Fünzehnjährige aus der Umgebung von Mailand einige
Gräber eines Friedhofes, indem sie mit einem Spray satanische Symbole und
umgekehrte Kreuze auf die Grabsteine sprühten.
Darauf
schrieben sie neben Flüchen den Namen ihres Idols: Marilyn Manson. „In den
letzten Jahren konnten wir bei Jugendlichen einen regelrechten ,boom‘ der
Magie, des Okkultismus, des Spiritismus und selbst des Satanismus feststellen“,
erklärt der italienische Journalist Carlo Cli- mati in seinem jüngst
erschienenen Buch „Die Jugend und der Esoterismus“ (I giovani e l'esoterismo,
Verlag Paoline 2001), in dem er von jüngst vorgefallenen Ereignissen in
Italien ausgeht, um den Einfluss von Magie, Satanismus und Okkultismus auf
Jugendliche zu analysieren. Seit Frühling dieses Jahres, als das Buch zum
ersten Mal veröffentlicht wurde, ist nun schon die vierte Auflage auf dem
Markt erschienen, was von der großen Aktualität dieser Thematik zeugt.
Climati:
„Das Okkulte ist leer und totlangweilig“
Climati
widmet ein Kapitel der Entstehung der satanischen Rockmusik und dem „Ritus“
der Diskotheken, spricht über die Gefahren eines unkontrollierten Gebrauchs
des Internets und über ideologische Hintergründe der New Age Bewegung. Er
deckt weiter auf, was hinter dubiösen Moden wie etwa dem „Piercing“ und
den „Tatoos“ steckt, nämlich „regelrechte Initiationsriten“. Und über
den Rocksänger Marilyn Manson schreibt er: „Vor einigen Jahren hat Marilyn
Manson den Gründer der amerikanischen Satanskirche, Anton La Vey, kennen
gelernt und wurde von ihm zum ,Priester‘ geweiht. Seine CDs sind leider großartige
,Werbespots‘ für jene Organisation geworden.“ Auf die Frage, was nun die
satanistischen Ideale eines Marilyn Manson sind, habe der Sänger geantwortet:
„Satanismus heißt nicht, dass man den Satan an- beten muss. Es heißt
einfach, dass der Mensch sein eigener Gott hier auf Erden ist. Du musst
niemanden und nichts anbeten, außer dich selbst“.
Climati
präzisiert jedoch auch, dass nicht jede Rockmusik automatisch satanistisch
sein muss, sondern er zeigt vielmehr auf, wie sich im Laufe der vergangenen
vier Jahrzehnte immer mehr eine satanistische Richtung innerhalb der Rockmusik
herausgebildet habe, bis sie langsam überhand genommen habe.
Der
Autor verweist neben seiner Aktivität als Journalist und Publizist auch auf
eine zehnjährige Erfahrung im freiwilligen Dienst an solch gefährdeten Ju-
gendlichen. Zusammen mit anderen Freunden hat er festgestellt, dass es nicht
ausreicht, sich nur theoretisch mit dem Problem der okkulten Subkultur von
Jugendli- chen zu beschäftigen, sondern er erkannte die Notwendigkeit, selbst
konkret handeln zu müssen. Er ist Mitglied des GRIS, einer italienischen
Forschungsgruppe über Sekten, die im Auftrag der italienischen
Bischofskonferenz tätig ist und versucht, dort einzugreifen, wo es den Eltern
von Sektenopfern nicht mehr gelingt. „Wir versuchen, den Schwachen vor dem
Stärkeren zu verteidigen“, erklärte Climati in einem Gespräch mit der „Tagespost“.
„Ich glaube an die Freiheit und die Gerechtigkeit, deshalb verteidige ich
den Schwachen, der leidet.
Das
Okkulte hat mich nie interessiert, ich finde es leer und totlangweilig. In der
Esoterik wird alles zu einem leeren Ritus stilisiert, der keinen wahren Inhalt
besitzt. Al- les ist nur Schein. Der christliche Ritus hingegen hat nur Sinn,
wenn er von einem christlichen Lebensstil begleitet wird.“
Climati
wird in ganz Italien eingeladen, Vorträge zu diesem Thema zu halten. Am
vergangenen Wochenende sprach er in Rom vor dem „italienischen Elternverein“
(Associazione Italiana Genitori), einem Verein, in dem Eltern Hilfe suchen,
deren Kinder den falschen Versprechungen solch okkulter Gruppen zum Opfer
gefallen sind.
Was
geht heute oft im Innern von Jugendlichen vor? Es sei hauptsächlich das
Problem der Einsamkeit, das Jugendliche dazu treibt, Interesse an okkulten
Dingen zu entwickeln, erklärte Climati den besorgten El- tern in Rom. Eltern
würden heutzutage oft zu sehr den starken Einfluss der Medien und neuen
Informationstechnologien auf die Erziehung von Kindern unterschätzen, die
regelrechte Miterzieher geworden sei- en. Über das Internet bekämen die
Jugendlichen ganz leicht Zugang zu okkulten und satanischen Organisationen.
Auch geschehe dies durch verschiedene Formen von Videospielen, die den
Jugendlichen eine Welt suggerierten, in der sie allmählich nicht mehr die
Wirklichkeit von der Illusion unterscheiden können, was gerade durch die
geistige Vereinsamung inmitten der anonymen Massen noch verstärkt werde.
Kommerzielle
Erziehung:
„Mach, was Du willst“ Heute ersetze oft eine „kommerzielle Er- ziehung“
die traditionelle Erziehung, die in Liebe auch manchmal Nein sagen könne, so
Climati. Die kommerzielle Erziehung basiere hingegen auf dem Grundsatz:
„Mach, was Du willst“, und suggeriere den Jugendlichen eine totale
Freiheit.
Dabei
würden die Eltern dann übersehen, wie leicht Kinder durch ein unkritisches
Konsu- mieren von neuen Informationstechnologi- en indoktriniert, manipuliert
und letztendlich versklavt werden. Jugendliche würden dabei leicht in die
Wort-Falle einer „Freiheit der Wahl“ geraten, was dazu führe, dass man
immer wieder hören könne: Drogen zu nehmen sei eine „Wahl“, abzutreiben
sei eine „Wahl“, Selbstmord zu begehen sei eine „Wahl“.
Die
Hinwendung vieler junger Menschen zu esoterischen und satanischen
Gruppierungen sei nichts anderes als ein verzweifelter Versuch, auf sich in
irgendeiner Weise aufmerksam zu machen, erklärte Climati und fügte hinzu:
„Viele Jugendliche, die anscheinend transgressiv und aggressiv sind, warten
nur darauf, von jemanden geliebt zu werden. Jemand, der sie versteht, ihnen
zuhört und sie umarmt.“ Denn junge Menschen hätten letztendlich ein gutes
Herz und wollen durch eine „Kultur der Grenze“ herausgefordert werden.
Jene „Kultur der Grenze“ müsse die Grundbasis für jede Gesellschaft sein,
behauptete Climati und erklärte weiter, dass diese auf zwei grundlegenden
Elementen basiere: Erstens auf dem Bewusstsein, das jeder Mensch Grenzen
besitze, zweitens auf dem Verständnis, „dass wir nicht alles haben oder
alles tun können, weil wir begrenzte Menschen sind.“
Die
Tagespost
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